Die Unternehmensnachfolge: Das Loslassen planen

Aschaffenburg: Die IHK Aschaffenburg führte am 13. Juni in ihren Räumen eine Informationsveranstaltung zum Thema „Die Unternehmensnachfolge: Das Loslassen planen“ durch. Knapp 50 Unternehmer waren der Einladung der IHK gefolgt. Die Zuhörer erhielten eine anschauliche, nachvollziehbare Vorstellung von der Komplexität der Unternehmensnachfolge. Die Einflussfaktoren des Unternehmenswertes, die rechtlichen Relevancen und die steuerlichen Aspekte der Unternehmensnachfolge als auch die geregelte Finanzierung der Unternehmensübernahmen standen hierbei im Mittelpunkt.

Die Unternehmensnachfolge sei gerade in kleinen und mittelständischen Betrieben ein schwieriges Thema. Die persönliche Bindung des Firmeninhabers an das Unternehmen sei eng und die Identifikation mit dem eigenen Betrieb verständlicherweise hoch, so IHK-Referent Thomas Nabein bei der Begrüßung. Die IHK Aschaffenburg wolle sowohl „Senioren“ als auch „Junioren“ für das wichtige Thema Unternehmensnachfolge sensibilisieren. Auf Nachfolgesprechtagen erhalten interessierte Unternehmen konkrete Hilfestellung im Übergabeprozess.

„Ein Unternehmen wir d nicht danach bewertet, was es heute ist oder in Vergangenheit war, sondern was es kann – heute und in Zukunft“, betonte Marion Borgs, Geschäftsführerin der vendamus GmbH, Großostheim. Die Unternehmer gehen die Regelung ihrer Nachfolge in der Mehrzahl zu spät an, „weil es selbst innerhalb der Familie schwierig ist, offen über das Thema zu reden“ wie Borgs weiter ausführte. Gespräche mit Kunden, Lieferanten, Händlern und Partnern seien überaus wichtig. Das seien die Stellschrauben zur Optimierung der Einflussfaktoren. Am Ende ihres Vortrages ging sie noch auf die unterschiedlichen Bewertungsmethoden ein.

Werden zu Lebzeiten des Unternehmers keine Regelungen zur vorweggenommenen oder endgültigen Unternehmensnachfolge getroffen, so tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft, sagte Dr. Maria Bausback, IHK Aschaffenburg. Sie stellte den Teilnehmern die denkbaren Modelle der Unternehmensnachfolge insbesondere zu Lebzeiten und auf den Todesfall beschränkt vor. Überdenken eigener Ziele, eine notarielle Beurkundung und einen Notfallkoffer seien wichtige Entscheidungsansätze, so Bausback.Zur erfolgreichen Gestaltung der Nachfolge sollte die Steuerlast sowohl aus Sicht des Übertragenden als auch aus Sicht des Erwerbers betrachtet werden. Alle Arten der Unternehmensnachfolge erfordern heute eine rechtzeitige und sorgfältige Planung, so Dirk Thielmann, Steuerberater in Bad Homburg. Auch die Rechtsform spiele bei der Unternehmensnachfolge eine zentrale Rolle.

Im Hinblick auf die Finanzierung der Unternehmensnachfolge erläuterten Holger Tietze von der LfA Förderbank Bayern und Andreas Beitzen von der KfW Bankengruppe anhand von praxisbezogenen Beispielen die einzelnen Fördervoraussetzungen und stellten ihre konkreten Förderangebote vor.

Am Ende der Veranstaltung gaben Edda Hein-Barnetzki, Geschäftsführerin Hotel Käfernberg, und Bernhard Oswald, Geschäftsführer der Oswald Elektromotoren GmbH, beeindruckende Erfahrungsberichte über ihre geglückte Unternehmensnachfolgen.

Das Foto zeigt v.l.n.r. Andreas Beitzen, KfW Bankengruppe, Dr. Maria Bausback, IHK Aschaffenburg, Thomas Nabein, IHK Aschaffenburg, Marion Borgs, vendamus GmbH, Holger Tietze, LfA Förderbank Bayern, Dirk Thielmann, Steuerberater. Auf dem Foto fehlen Edda Hein-Barnetzki, Hotel Käfernberg, und Bernhard Oswald, Oswald Elektromotoren GmbH, die von ihren erfolgreichen Unternehmensnachfolgen berichteten.

Foto: IHK Aschaffenburg

Bericht: Wirtschaft am bayerischen Untermain 7 + 8/2012